Grundlagen der Biodynamischen Psychologie


Primär- und Sekundärpersönlichkeit
Lebensenergie, Psychoperistaltik und Stethoskop
Die vegetative Selbstregulation
Der vasomotorische Zyklus
Der psychodynamische Prozess
Die Neurose aus biodynamischer Sicht
Auswirkungen abrupter Unterbrechungen des Libidoflusses
Vom Stau zur Libidozirkulation
Abgrenzung der Biodynamik zu anderen Methoden
Die Verantwortung der Therapeutin
Neurosenprophylaxe bei Müttern und Kleinkindern

Abgrenzung der Biodynamik zu anderen therapeutischen Methoden:


Gerda Boyesen betonte sehr, wie wichtig es ist zu erkennen, in welcher Phase der Therapie die Klientin sich befindet. Nicht in jedem Fall sind beispielsweise vitale Uebungen angesagt. Uebungen, die das bewusste Ich fördern, fördern vielleicht die momentane Ich –Stärke, verschliessen aber den Zugang zu tieferen Schichten der Erlebens.
Schmerz, egal in welcher Phase der Therapie auch immer, lehnt Gerda Boyesen grundsätzlich ab.

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Ich glaube, die ganze Schmerzideologie hängt mit der mangelnden Sensibilität des Therapeuten zusammen, und darüber sollte jeder Patient informiert sein. Die Zeiten der Erlösung durch Busse sollten für uns ein Ende nehmen.“ (Boyesen, 1985, 145)
Auch entsprechende Stress- und Schmerzübungen von A. Lowen, die vielleicht Aggressionen und Schreie provozieren, lehnt sie völlig ab. Schreien auf der Ebene der Lungen kann im Hier und Jetzt einen Selbstbehauptungswert besitzen, aber die Tiefe des Unbewussten wird nicht erreicht.
Auch Aggressionen herauslassen, wie das beim Encounter passiert, ist für Gerda Boyesen kein Allheilmittel. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass frau sich dann besser fühlt, wenn alle Aggressionen herausgelassen werden. Dieses Zwangsverhalten bewirkt eine Akkumulation von Energie und einen noch stärkere energetische Blockade als zuvor, eine neue Panzerung. Das Ganze spielt sich oberhalb des Zwerchfells ab, und so werden tiefe Schichten der Verdrängung nicht berührt.

Die Bioenergetik arbeitet auf der mesodermalen Ebene im Hier und Jetzt, während die Biodynamik als Psychotherapie auf der ältesten Ebene, der endodermalen Ebene (Atmungs- und Verdauungsorgane) arbeitet und mit Impulsen und den tiefsten Verdrängungen und Aengsten arbeitet. Es geht ihr darum, aus dem System der Klientin die Angst zu nehmen, sie vollständig verschwinden zu lassen. Anschliessend und erst dann, wenn keine Angst mehr im System ist, kann die Klientin auf der vitalen Ebene unterstützt werden, kann durch entsprechende Uebungen der Klientin geholfen werden, die in der Tiefe freigesetzte Energie auf die mesodermalen Ebene der Muskeln fliessen zu lassen. Erst wenn die Klientin ihre ozeanische Welle, ihren inneren Stimulus wiedergefunden hat, wenn aus ihrem Innenleben nichts mehr zu befürchten ist, kann auf der vitalen Ebene weitergearbeitet werden.