Grundlagen der Biodynamischen Psychologie


Primär- und Sekundärpersönlichkeit
Lebensenergie, Psychoperistaltik und Stethoskop
Die vegetative Selbstregulation
Der vasomotorische Zyklus
Der psychodynamische Prozess
Die Neurose aus biodynamischer Sicht
Auswirkungen abrupter Unterbrechungen des Libidoflusses
Vom Stau zur Libidozirkulation
Abgrenzung der Biodynamik zu anderen Methoden
Die Verantwortung der Therapeutin
Neurosenprophylaxe bei Müttern und Kleinkindern

Die Neurose aus biodynamischer Sicht:

 
Die Neurose entsteht aus einem unlösbaren Konflikt zwischen dem vegetativen und dem motorischen Nervensystem. Das Kind hat das Bedürfnis, etwas zu tun, beispielsweise spielen, schreien, laufen, und es wird von seinen Bezugspersonen daran gehindert, es zu tun. Wenn ein Kind ständig gestört wird oder seine Bedürfnisse unterdrückt werden und es in der Folge selbst beginnt, aktiv seine Bedürfnisse (z.B. nach Nähe, nach Abgrenzung, nach Beführung, Forschungs- und Entdeckerinnendrang) zu unterdrücken (das Freudsche Ueber-Ich), tritt die Neurose ein. So ein Kind wird dann oft als vorbildliches, braves Kind bezeichnet, in Wirklichkeit jedoch ist es neurotisch und hat sich weit von seiner Primärpersönlichkeit entfernt. Dieser Konflikt kann in der Folge auf Dauer, vor allem im Erwachsenenalter, auch Störungen an den inneren Organen und im gesamten körperlichen und seelischen Bereich bewirken.

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Da der neurotische Mensch aufgrund der erfahrenen Störungen und Einengungen den Kontakt zu seinem Libidofluss verloren hat, spürt er sich und seine Gefühle nicht mehr richtig und kann diese auch nicht mehr authentisch zum Ausdruck bringen. Sein Selbstausdruck ist gestört. – Der Grossteil unserer Bewegung zur Welt hin – als Kind und als Erwachsne – ist durch eine lustvolle (oder libidinöse) Energie bedingt. Diese liegt unseren Interessen, unserer Neugier, dem Spiel- und Erforschungsdrang, der Lust zu arbeiten zugrunde. Der Fluss der Lebens - oder kosmischen Energie respektive der Libidofluss ist intakt, und der Mensch kann mit der Welt auf eine lustvolle Weise in Beziehung treten, wenn sich die physiologische Energie und die Willensenergie überlageren.  Das heisst, wenn kein innerer Konflikt zu Blockaden führt, wenn der Mensch sich nicht am Konflikt zwischen Es und Ueber-Ich zerreibt. Innere Konflikte sind auch nach den neuesten psychotherapeutischen Erkenntnissen  pathogener und schädigender als äussere Konflikte (vgl. Mentzos, 2009, 29f).
Wird ein Mensch (als Kind oder als Erwachsener zum Beispiel in einer Partnerschaft oder Ehe) ständig daran gehindert oder gestört, seinem Drang, seiner Neigung nachzuleben, zieht sich die Energie zurück; seelische und körperliche Unausgeglichenheiten treten ein, die Neurose entwickelt sich, die Seele stirbt.

Tatsächlich muss der Mensch seine Gefühle, je nach Situation, in der er sich befindet, regulieren können. Gerda Boyesen spricht hier vom Ich-Motor, von der Ich-Kraft, die von der Skelettmuskulatur willentlich gesteuert werden kann. So ist auch der Muskelpanzer ein Gefühlsregulator, aber einer, der zumeist ausser unserer Kontrolle geraten ist. Ganz wichtig für die Gefühlsregulierung ist das Zwerchfell. Das Zwerchfell hat in der Gefühlsregulation die Schlüsselrolle, da die Gefühlenergie an den Darmwänden aufsteigt und durch Kontraktion des Zwerchfells das Aufsteigen der Energie in den Brustraum und somit in die emotionalen Ausdruckszentren – Kopf, Arme, Hände, Mimik, Gestik, Weinen, Lachen – verhindert wird.
Der nicht neurotische Mensch hat Kontrolle über seine Zwerchfellmuskulatur und kann Entspannung und Anspannung steuern. Er kann den Transport der Energie in die entsprechenden Zonen durch Pumpen und Pulsieren fördern und ist mit seinen Emotionen verbunden.

Die biophysische Natur der Neurose:
Das entscheidende Moment in der Entstehung einer Neurose ist nicht unbedingt und alleine die Repression von Handeln, Ausdruck und Gefühlen, sondern die mangelnde Verarbeitung im Darm durch die Psychoperistaltik.

Trotz der behinderten Entladung kommt der Mensch zwar trotzdem allmählich wieder zur Ruhe; die vorangegangene Verdrängung hat aber folgende Konsequenzen:

     - Die Einatmung wird schwächer
     - Leichte Spannung von Muskeln und Gefässen ( Dystonie)
     - Eine Schicht hormoneller Restprodukte

Dies ist nach Gerda Boyesen die Entstehungsgeschichte und allgemeine biophysische Struktur der Neurose. Die Muskelkontraktion, die ganz entscheidend die Vorgänge des nicht beendeten vasomotorischen Zyklus reguliert, führt zu einer mehr oder weniger massiven Bewegungseinschränkung  des Körpers. Die Aufhebung dieser Bewegungseinschränkungen ist eines der wesentlichsten Ziele der Biodynamik. Wenn der blockierte Kreislauf wieder aktiviert wird in einer Atmosphäre der Sicherheit und der Zuwendung, kann sich der vasomotorische Zyklus vervollständigen, und die Restspannung kann abgebaut werden.
Siehe auch: Der vasomotorische Zyklus