Grundlagen der Biodynamischen Psychologie


Primär- und Sekundärpersönlichkeit
Lebensenergie, Psychoperistaltik und Stethoskop
Die vegetative Selbstregulation
Der vasomotorische Zyklus
Der psychodynamische Prozess
Die Neurose aus biodynamischer Sicht
Auswirkungen abrupter Unterbrechungen des Libidoflusses
Vom Stau zur Libidozirkulation
Abgrenzung der Biodynamik zu anderen Methoden
Die Verantwortung der Therapeutin
Neurosenprophylaxe bei Müttern und Kleinkindern

Neurosenprophylaxe bei Babies und Kindern:

 

Schon der Verlauf der Schwangerschaft ist von grosser Bedeutung für die Entwicklung des Babies. Je mehr die Mutter mit sich im Reinen ist, zufrieden mit sich und ihrem Leben, ihre Lebensenergie spürt und ihren Impulsen folgen kann, desto besser für das Baby. Eine Mutter, die ihre eigene Lebensenergie spürt und danach leben kann, nährt ihr Ungeborenes mit guter und konfliktfreier Energie. Dies ist die beste Neurosenprophylaxe.
 

Die Geburt, auch eine ganz normale, ist für das Baby und auch die Mutter eine ungeheure Anstrengung, eine riesige Aufgabe. Es ist das erste Mal, dass das Baby mit vollem Einsatz für etwas kämpfen muss, für die eigene Existenz auf dieser Erde, für Sein Ueberleben. Jede Geburt, jedoch vor allem schwere Geburten mit Komplikationen, sind mehr oder weniger traumatisch. Das bedeutet, dass sich das Baby nach der Geburt im Arm der Mutter (oder einer liebenden Betreuungsperson) erholen sollte und dass sich durch die Psychoperistaltik die Stressreste lösen sollten.
Während und nach der Geburt ist die Qualität der Berührung von grösster Bedeutung. Das normale Baby ist so mit allen Sinnen offen und es lebt und wächst durch liebende Berührung.  Mechanische oder rigide Berührung führen zu Blockaden beim Baby und können schon der Boden für spätere Neurosen sein. Das Baby lernt früh, sich zu verschliessen und übermässig zu schützen.

Die Art, wie die Mutter ihr Baby hält und trägt ist ebenso für das Baby absolut spürbar und von immenser Wichtigkeit. Ist die Mutter mit sich im Reinen und entspannt und spürt sich und ihre Lebensenergie, kann sich auch das Baby entspannen und sich seinem Energiefluss und seiner Lebenslust hingeben.  Ist die Mutter nervös, wird das Baby das spüren. Die innere Sicherheit fehlt, das Baby versucht sich zu schützen und zieht sich zusammen. Es kann sich dem Fluss seiner Lebensenergie nicht überlassen und verliert den Kontakt dazu.
Es gibt eine spezielle Energie, einen speziellen Libido - Fluss, der Mutter und Kind gerade nach der Geburt verbindet, eine deutlich spürbare süsse und zärtliche Energie, der sich die Mutter unbedingt hingeben sollte, da das Empfinden dieser Energie für beide – Mutter und ihr Baby – von immenser Wichtigkeit und Lieblichkeit ist.
Hier werden die Grundlagen gelegt, ob das Baby zu einer selbstbewussten und liebesfähigen mit sich selber verwurzelten und in sich ruhenden Persönlichkeit heranwächst, oder ob sich das Baby viele Schutzschichten, seine Sekundärpersönlichkeit zulegt, und wie meisten von uns mehr oder weniger neurotisch wird.
Ähnlich wichtig wie die Qualität der Berührung durch die Mutter sind Gestik und Mimik der Mutter und der engen Bezugspersonen.

Ein sorgenvoller ängstlicher Blick bewirkt beim Kind einen Schreck, einen Schreckreflex  mit den dazu gehörenden Muskelkontraktionen und Gewebepanzerungen. Eine rigide und zwanghafte Atmosphäre, in der die Lebensfreude fehlt, führen zu fortgesetzten Schockerlebnissen für das Baby und das Kleinkind, kombiniert mit Schuldgefühlen, wenn sie empfinden, nicht den Anforderungen genügen zu können. – Es müssen nicht immer schwere Traumata sein, Verkehrsunfälle, Tod einer Beziehungsperson oder ähnliches; der Alltag von manchen Babies mit vielen kleinen wenig beachteten und unspektakulären Traumata langt, dass sich die Lebensenergie und damit die Liebes- und Glücksfähigkeit, die Fähigkeit, sich zu spüren immer weiter zurückzieht und die Schutz- und Abwehrpanzerungen überwiegen. So entsteht die neurotische oder die Sekundärpersönlichkeit. „Die tiefste Quelle der Neurose liegt im Schuldgefühl, dem Gefühl der Unsicherheit und der Angst, nicht geliebt zu werden.“ (Boyesen, 1985, 161)

Auch eine nervöse  Hyperaktivität der Mutter oder anderer enger Bezugspersonen um das Kleinkind herum, vor allem noch wenn diese Aktivität mit einer Flut von Worten begleitet wird, wirkt sich auf die Lebensenergie des Kindes sehr destruktiv aus. In diesem Falle ist für das Kind gut, was für die Mutter gut ist. Die Mutter sollte sich, um ihre eigene Lebensqualität und die Verbundenheit zu sich selbst zu verbessern oder eigene alte Traumata und Kindheitserlebnisse aufzuarbeiten, an eine biodynamische Therapeutin wenden. -
Wir wissen, dass diese Mütter selber nichts anderes in ihrer Kindheit erlebt haben, und es geht nie darum, Schuldige zu suchen. Es geht darum zu verstehen, zu heilen und für (werdende) Mütter darum, ihre Sensitivität zu schärfen für die eigenen und für die Bedürfnisse ihres Kindes. Kinder sollten nie abrupt unterbrochen werden. Jedes Kind kann für alles gewonnen  werden (essen, schlafen gehen, anziehen...), wenn die Mutter dem Rhythmus des Kindes folgt und ihm Zeit gibt. – Babies und Kinder haben unendlich viel Zeit und brauchen diese auch; sie wissen ja nicht, dass die meisten Erwachsenen keine Zeit mehr haben.

Das Baby ist nur in der Lage in Kontakt mit seiner Lebens- und Liebesenergie, mit seiner Intuition, seinen Wurzeln, sich selber zu bleiben, sich zur einer von der Schöpfung so gewollten Primärpersönlichkeit zu entwickeln, wenn die Mutter und die engsten Bezugsperson auch mit ihrer Liebes- und Lebensenergie verbunden sind; dies vielleicht nach einem längeren  biodynamischen körpertherapeutischen Prozess. Die Mutter, die die Entfaltung ihres vollen Potentials in menschlicher Hinsicht leben will und diesen Weg gehen will, für sich selber schauen will, ist die beste Garantie für einen unneurotischen liebevollen Nachwuchs, der in dieser Welt die Fähigkeit besitzt, für sich selbst und für andere zu sorgen.
 

Ein Kind, das seine Lebendigkeit, seinen Libidofluss verloren hat, ist von der Mutter und von der Umwelt, von ihrer Anerkennung vollkommen abhängig, es entwickelt ein „Katastrophengefühl“, dass alles vorbei ist, es sterben wird oder anders gesagt, alle Liebe verlieren wird, wenn es einmal seinen eigenen Regungen nachgeht.

 

Der Mensch und auch das Baby befindet sich in seinem gesamten Leben zwischen den beiden Polaritäten Beziehung und Autonomie, die sich je nach Alter respektive Entwicklungsstufe und Strukturierung des Menschen anders gestalten. In jedem Fall braucht der Mensch und insbesondere das Baby und das Kleinkind adäquate Spiegelung seines Verhaltens und ein liebevolles Eingehen auf seine Person.

Im Alltag eines Kindes sieht es öfters so aus, dasses zu den Erwachsenen kommt und ihnen etwas zeigen möcht und niemand hat die Zeit, sich dafür zu interessieren. Oder es fängt an zu weinen und die Eltern - statt auf das Kind einzugehen - reagieren mit dem Befehl, ruhig zu sein. Verdrängung von emotionalem Ausdruck, wie Enttäuschung, Trauer, Wut bildet die Basis vieler späterer Erkrankungen.
Vom energetischen Standpunkt aus gesehen fliesst die Energie durch Zellen, Muskeln und Gehirn, und die Neurose ist nichts als der Effekt der Unterbrechung des Energieflusses. Das Kind resigniert, verkapselt seine Energie und identifiziert sich mit seiner Sekundärpersönlichkeit.

Die Eltern müssen erkennen, dass das Kind von Grund auf gut ist und mit den höchsten Qualitäten  der Seele in dieses Leben eintritt. Damit ergibt sich ihre Aufgabe als Eltern natürlicherweise ganz von selbst: Es gilt, das Kind zu schützen und in seiner Entwicklung zu bestärken.