Grundlagen der Biodynamischen Psychologie


Primär- und Sekundärpersönlichkeit
Lebensenergie, Psychoperistaltik und Stethoskop
Die vegetative Selbstregulation
Der vasomotorische Zyklus
Der psychodynamische Prozess
Die Neurose aus biodynamischer Sicht
Auswirkungen abrupter Unterbrechungen des Libidoflusses
Vom Stau zur Libidozirkulation
Abgrenzung der Biodynamik zu anderen Methoden
Die Verantwortung der Therapeutin
Neurosenprophylaxe bei Müttern und Kleinkindern

Die Verantwortung der Therapeutin:


Verantwortung ist ein wichtiges Thema im Leben und speziell in therapeutischen Einzelsitzungen und Gruppen.
Grundsätzlich hat die Klientin die Verantwortung über ihr Leben und über ihre Therapie.
Wenn die Therapeutin aber ihre Klientin in tiefe Kindheitserlebnisse zurückführt, muss sie sich nach der biodynamischen Auffassung darüber absolut im Klaren sein, dass sie in diesem Moment die Verantwortung dafür übernimmt, was in dieser Phase der Behandlung passiert. Die als klassisch geltende Regel, dass der Mensch für seinen eigenen therapeutischen Prozess verantwortlich ist, gilt in der Phase des tiefen Wiedererlebens der Kindheit nicht.

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Bis die Klientin immer sicherer ihren Energiefluss und ihre Liebe und Wünsche und Intuitionen spürt, braucht sie unbedingten Schutz.
Wenn die Therapeutin nicht spürt, dass sich die Klientin in einer libidinösen Bewegung befindet und sie diese stört, kommt es zu einem Unterbruch durch die Aktivierung des Schreckreflexes und die Klientin baut noch weitere Schutz- und Muskelpanzer auf, verharrt noch vehementer in ihrer Erstarrung. Wir können hier von Retraumatisierung sprechen. Die Klientin muss sich durch die Therapeutin so gut geschützt fühlen, dass sie völlig die Störungen und Erschütterungen eines Schreckreflexes vergisst.

Es kann in Einzeltherapien und insbesondere in Gruppen zu selbstschädigendem Verhalten kommen, welches die Therapeutin nicht zulassen darf, respektive auf jeden Fall abwenden muss. Wenn in einer tiefen Regression (Rückführung) eine Klientin wiedererlebt, dass ihr Vater nie Zeit für sie hatte und die Therapeutin sie auffordert, einen neuen Vater aus der Gruppe auszusuchen, wird es zu einem erneuten Schock kommen, wenn ein Gruppenmitglied aus mangelnder Sensibilität heraus die Rolle ablehnt.
Bei dem Prozess einer Einzelperson in der Gruppe geht es ausschliesslich um die Persönlichkeitsentwicklung dieses einzelnen Menschen und weder um die Persönlichkeitsentwicklung der restlichen Gruppenmitglieder noch um die Persönlichkeitsentwicklung des Therapeuten. Dass dieser Prozess nicht torpediert wird durch Schwächegefühle, Uebertragungen, Machtspiele und Gruppendynamik der Gruppe ist die Verantwortung der Therapeutin.
Die Therapeutin muss in ihrem eigenen Prozess soweit sein, dass sie selbst herzliche bedingungslose Liebe geben kann, sich mit den Prozessen der Gegenübertragung genauestens auskennen, jeglicher gruppendynamischer Machtspiele enthalten wird und diese garnicht erst aufkommen lässt und ihr ganzes Sein einbringt, um dem Libidostrom der Klientin zu folgen.
Wenn diese sich vielleicht erstmals ganz öffnen kann und sich jenseits der Angst und ihrer Charakterstrukturen der Sekundärpersönlichkeit bewegt, braucht sie unbedingten Schutz vor der Aussenwelt von Seiten der Therapeutin. Auch muss die Therapeutin so mit sich verbunden sein,  in ihrer eigenen Entwicklung so weit fortgeschritten sein, Respekt vor allem Menschlichen haben, dass sie sich jeglicher Be- und Verurteilung absolut enthalten kann.

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Um Einzel- und Gruppenprozesse so leiten zu können, muss die Therapeutin sich selbst gut spüren, zu ihrer Intuition Zugang haben und sehr viel Geduld haben, um die Klientin und die Gruppenteilnehmerinnen einfach auch einmal „sein zu lassen.“
Ein Mensch, der nicht mit sich verbunden ist, mag meinen, in einer harmonischen Gruppe herrsche Langeweile. In Wahrheit sind die Menschen präsent, haben sich, ihre Essenz und andere Menschen wahrgenommen. Da tritt nie Langeweile ein.